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Studi-Story

Zwischen Massenbesichtigung und Luftmatratze

Auf WG-Suche in Stuttgart
Text: 
Aline Spantig
9. Januar 2017

Wer in der Landeshauptstadt studieren möchte, sollte sich frühzeitig um eine Bleibe kümmern, denn Wohnraum ist in der Landeshauptstadt knapp. Da kommt natürlich eines der Zimmer in Frage, die das Studierendenwerk Stuttgart vermietet. Mittlerweile mehr als 7.200. Da die Nachfrage allerdings höher ist, sind WGs eine gute Alternative. Von ihren Erfahrungen bei der Suche nach einem passenden Zimmer erzählen Euch die Studenten Nico und Dennis.

Dennis ist von einer Übergangs-Luftmatratze zu einem eigenen Zimmer aufgestiegen (Bild: Aline Spantig)

"Ich bin in die Luft gesprungen und habe gejubelt", erinnert sich Nico. Er stand gerade im Supermarkt an der Kasse, als sein Handy klingelte und ihm ein Zimmer angeboten wurde. "Ich habe mich gefreut wie schon lange nicht mehr", erzählt der Student. Der Stress und die Ungewissheit von einem Jahr Wohnungssuche fielen in dem Moment von ihm ab. Der 23-Jährige kommt ursprünglich aus München, wo es bekanntlich wohnungstechnisch deutschlandweit am schwierigsten ist. Ironischerweise hat Nico selbst in München eine WG gefunden, bevor er fürs Studium nach Stuttgart gezogen ist. Mehrmals ist er für Besichtigungstermine von Bayern ins Schwabenland gefahren – immer an Wochenenden, schließlich arbeitete er in München noch. Und just dann sind Bahntickets am teuersten. "Für das Geld, das ich allein in die Fahrten zu WG-Besichtigungen gesteckt habe, hätte ich glatt 'ne Monatsmiete bezahlen können", resümiert Nico.

Student Nico surfte– wie viele andere auch – Stunden auf Wohnungssuch-Portalen, bis er eine WG fand (Bild: Aline Spantig)

Als das Semester startete, kam Nico zeitweise bei Freunden unter.  "Trotzdem war es immer ein blödes Gefühl: Mit der Luftmatratze unterm Arm von Haustür zu Haustür, im Rucksack ein paar Klamotten", meint er. Deshalb ist er fast jedes Wochenende nach Hause gefahren. "Das musst du machen, weil du ja deinen Freunden auch nicht noch mehr auf die Pelle rücken willst", erklärt Nico. Auch in einem Monteurs-Hotel hat der Student ein paar Tage gewohnt. Ein Zimmer, in dem normalerweise mehrere Monteure übernachten, weil sie nur für ein oder zwei Nächte in der Stadt bleiben. Danach konnte Nico für ein paar Monate zur Zwischenmiete in eine WG. "Aber bald musste ich auch da wieder raus", erinnert er sich. Hätte er den Platz im Wohngebäude nicht bekommen, wäre es danach wieder problematisch geworden. "Die Sachbearbeiterin des Studierendenwerks  ist deshalb mein persönlicher Lieblingsmensch 2016", meint Nico. Denn jetzt wohnt er mit einem sicheren Dach über dem Kopf in einem Haus auf dem Campus Vaihingen.

Inzwischen hat Dennis ein WG-Zimmer gefunden und es nach seinem Geschmack eingerichtet (Bild: Aline Spantig)

Auch Dennis (22) kennt diese Probleme. Vier Monate wohnte er bei einem guten Freund und schlief nachts auf seiner Couch. "Das Blödeste daran war, dass ich mich nie zum Lernen zurückziehen konnte", erzählt der Architektur-Student. Die Schlafcouch stand nämlich im Wohnzimmer, wo sich das Leben der ganzen WG abspielt. Fürs Studium musste Dennis auch einige Modelle bauen. "Dafür durfte ich dann immer noch einmal zur Hochschule fahren, weil ich natürlich nicht meine ganzen Pappen, das Holz und den Leim in der WG ausbreiten konnte", erklärt er. "Es war einfach doof, weil dort eigentlich kein Platz für mich war." Zwischen Prüfungsstress und Modellbau musste Dennis dann noch nach Wohnungen schauen. Die meisten potentiellen Vermieter/innen haben ihm nicht einmal geantwortet. Schließlich kommen auf einen Vermieter/in hunderte Anfragen. Wenn Dennis einmal zur Besichtigung eingeladen wurde, gaben sich dort die Bewerber/innen die Klinke in die Hand. "Es suchen einfach zu viele nach einer Wohnung, vor allem zum Beginn des Wintersemesters", stellt der Student fest. Eine gute Sache hatte es für Dennis' Student aber auch, dass er bei einem Freund wohnte: "Ich war neu in Stuttgart. Er hingegen kannte sich schon in der Stadt aus und konnte mir alles zeigen."

Dennis ist inzwischen ebenfalls dauerhaft in einem eigenen WG-Zimmer untergekommen. Wohnungssuchenden rät er: "Einfach immer die Augen offen halten, dann wird das schon." Und wer sich früh genug um einen Platz im Wohngebäude des Studierendenwerks bewirbt, dem ergeht es auch nicht so wie Dennis und Nico.

Die Autorin:
Aline Spantig studiert crossmedialen Journalismus an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Nebenher arbeitet sie bei verschiedenen Zeitungen und einer PR-Agentur. Außerdem moderiert sie eine eigene Sendung bei HORADS 88,6. Ihr Herz schlägt für Nachhaltigkeit, Dokumentationen und Podcasts.

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