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Studi-Story

Campus-Maut

Wen treffen die Studiengebühren?
Text: 
Rebecca Haase
12. Juli 2017

Schon wieder geistert das Thema Studiengebühren durch die Medien, denn im Mai wurde ein Gesetz zur Änderung des Landeshochschulgesetzes verabschiedet. Ab dem Wintersemester 2017/18 müssen Studierende hier in Baden-Württemberg wieder deutlich mehr als nur Verwaltungsgebühren bezahlen. Doch wen trifft es, und wird man sich davon befreien lassen können? Wir haben die wichtigsten Informationen für Euch zusammengetragen.

Demoplakate wütender Studierender (Bild: Rebecca Haase)

Vor genau zehn Jahren hatte die baden-württembergische Landesregierung Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester eingeführt. Es gab viele Demonstrationen und Boykottversuche. 2012 endlich war damit ein Ende, denn im Jahr zuvor hatten die Landtagswahlen zu einer grün-roten Mehrheit geführt. Doch schon ein Jahr später starteten die Grünen die Debatte, Nicht-EU-Ausländer zur Kasse zu beten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte sich folgendermaßen dazu: "Wir bilden jedes Jahr ein koreanisches Symphonieorchester aus. In Korea zahlt man Studiengebühren von bis zu 13.000 Dollar pro Semester." Zwar ist die Aussage nicht diplomatisch, zeigt aber auf, woran sich die Politiker/innen stören. So seien die Abgaben in Baden-Württemberg noch vertretbar, verglichen mit denen in China von rund 8.000 Euro oder in Indien mit etwa 10.000 Euro pro Jahr. Außerdem habe sich die Zahl der internationalen Studierenden in den letzten 20 Jahren verdreifacht und betrage jetzt zehn Prozent aller Eingeschriebenen.

Herkunft internationaler Studierender (Grafik: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg)

Am 3. Mai dieses Jahres wurde das Landeshochschulgebührengesetz dahingehend geändert, dass Studierende aus Nicht-EU-Ländern ohne deutsche Hochschulzugangsberechtigung 1.500 Euro pro Semester zu entrichten haben. Ausgenommen sind unter anderem Ehepartner von EU-Bürgern/innen, Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung, Geflüchtete, Akademiker/innen mit einem deutschen Hochschulabschluss und Erasmus-Studierende. Aber auch Deutsche werden mit 650 Euro pro Semester zur Kasse gebeten, wenn sie ein Zweitstudium nach einem Masterabschluss beginnen. Für Studierende, die ihr aktuelles Studium bereits vor dem kommenden Wintersemester begonnen haben, gilt aber noch der Bestandsschutz, so dass sie nicht von den Studiengebühren betroffen sind.
Die grüne Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer sieht die Gründe für die Gesetzesänderung darin, dass die ausländischen Studierenden für einen erfolgreichen Abschluss eine intensivere Betreuung benötigen würden. Dann dürfte man jedoch keine Unterscheidung zu EU-Bürgern/innen machen. Vielmehr erkennt man in einer anderen Aussage Bauers, dass die Gründe finanzieller Natur sind:
"Es ist notwendig, weil mit den Einnahmen, die wir aus den beiden Komponenten, Gebühren für Zweitstudium und international Studierende, die Einnahmen erhöhen, und die Alternative abwehren, die nämlich gewesen wäre, die Hochschulbudgets oder die Budgets für Kunst und Kultur entsprechend drastisch zu kürzen.“

Studiengebühren in anderen Ländern (Bild: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg)

Doch wie viel Geld landet am Ende tatsächlich bei den Hochschulen? Nur 20 Prozent der Gebühren dürfen einbehalten werden, davon müssen jedoch auch noch die ganze Bearbeitung und die Prüfung der Gebührenbefreiungen finanziert werden. Man ahnt, dass für eine bessere Betreuung und eine Verbesserung der Lehre kein Geld mehr übrigbleiben wird. Wenn das Geld anders verteilt werden würde, wäre der Widerstand sicherlich deutlich kleiner. Was am Ende trotzdem bleibt, ist die soziale Ungerechtigkeit. Als im letzten Jahrzehnt die Studiengebühren eingeführt wurden, traf es die Nicht-Akademikerkinder. Von ihnen entschieden sich daraufhin zwölf Prozent weniger für ein Studium und die Verschuldung, die für sie damit verbunden gewesen wäre. Parallel wurden auch noch die Maßnahmen reduziert, mit denen die Schuldenlast hätte abgefedert werden können: Die L-Bank bieten keinen Studiengebührenkredit mit seinen günstigen Konditionen mehr an. Zusätzliche Stipendien für Studiengebühren sind bisher leider nicht vorgesehen. Und von den Beiträgen für das Zweitstudium kann man sich nicht befreien lassen.
So bleibt nur zu hoffen, dass auch dieses Mal die Gebühren nicht von allzu langer Dauer sein werden und keine Nachteile durch die nachlassende Internationalisierung entstehen, wenn weniger (Nachwuchs-)Fachkräfte ausgebildet werden und nach Deutschland kommen.

Die Autorin:
Rebecca Haase studiert Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart und unterrichtet voller Elan Deutsch als Fremdsprache. Außerdem interessiert sie sich für die Themen Kultur und Sprache.

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