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Studi-Story

Kunst verbindet

Studentische Flüchtlingsprojekte
Text: 
Katrin Nöbauer
9. August 2017

Egal, ob gemeinsames Lachen bei einem Theaterstück, Weinen bei einem Kinofilm oder Singen bei einem Konzert: Kunst verbindet Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft, Aussehen oder Einkommen. Doch kann man diesen Effekt auch für die Integration von Geflüchteten nutzen? Zwei studentische Projekte aus Stuttgart haben es versucht.

Die gemeinsame Arbeit in der Siebdruckwerkstatt hat Studierende und Geflüchtete verbunden (Bild: Privat)

"In den Augen des Anderen" heißt ein Seminar, das im vergangenen Sommersemester an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung (HfK+G) in Stuttgart angeboten wurde: In Kooperation mit der Stadt Waiblingen arbeiteten die Studierenden zusammen mit jungen Geflüchteten an verschiedenen Projekten. "Wir wollten einen Kontakt auf Augenhöhe schaffen und diese Einstellung verbreiten", erzählt Semestersprecherin Romina Vetter. "Viele schauen ja auf die Flüchtlinge herab, dabei sind sie Menschen genau wie wir." Um das zu erreichen, interviewten die Studierenden die Geflüchteten. Danach zeichneten sie sich gegenseitig und hielten ihre Eindrücke in einer Siebdruckwerkstatt fest. Dieses Material nutzten die Studierenden dann, um eine Website und ein Magazin zu gestalten. Die jungen Erwachsenen kamen sich aber nicht nur auf einer künstlerischen Ebene näher: Rominas Projektgruppe war beispielsweise privat bei Baboucarr aus Gambia und seinen Mitbewohnern zum Essen eingeladen. Ein nächster Kochabend ist bereits in Planung. Professorin Christiane Nowottny war positiv überrascht, wie viel persönliches Engagement ihre Studierenden in das Projekt steckten: "Das ging eindeutig über die Lehrveranstaltung hinaus", bekräftigt sie. Romina ist sich sicher, dass dieser Aufwand sich lohnt: "Das Projekt hat uns persönlich weiter gebracht. Wir haben gesehen, wie die Flüchtlinge hier leben und konnten dadurch Klischees ausräumen." Den Kontrakt zu den Geflüchteten möchten sie und ihre Mitstudierenden auch in Zukunft aufrechterhalten.

Der erste Kochabend bei Baboucarr war nicht nur kulinarisch ein Erfolg (Bild: Romina Vetter)

Genau dasselbe haben sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen eines ähnlichen Projekts an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst (HMDK) vorgenommen und geschafft: "Labyrinth" begann 2012 als rein studentisches Projekt, bei dem Studierende gemeinsam mit geflüchteten Jugendlichen an einem Theaterstück arbeiteten. Inzwischen haben sich die ehemaligen Studierenden selbstständig gemacht und bringen Geflüchtete und Stuttgarter/innen nun beruflich auf einer kulturellen Ebene zusammen. Dazu arbeiten sie regelmäßig an zwei Projekten: Zum einen an einem Theaterstück und zum anderen an einem Straßenfestival, das die teilnehmenden Jugendlichen selbst organisieren. Jedes der Projekte läuft ungefähr ein Jahr lang und soll Integration mithilfe von Kunst fördern. Um das zu gewährleisten, bietet das gemeinnützige Unternehmen unter anderem eine Sprachwerkstatt und künstlerisch-pädagogische Workshops an. Bei einem wöchentlichen Treffen im Cafe Belmik können sich Projektteilnehmer und Ehemalige austauschen und besser kennen lernen. In der Werkstatt werden Kostüme, Requisiten und Bühnenbild unter professioneller Anleitung selbst hergestellt. "Vom Ich zum Wir, durch die Kunst zum Miteinander" – das ist das Motto von Labyrinth.

Die Autorin:
Katrin Nöbauer studiert Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie in ihrer Heimat südlich von München. Mittlerweile hat sie in Stuttgart ein neues Zuhause gefunden - geografisch genau wie in der Medienlandschaft: Sie moderiert bei Horads 88.6 und schreibt den Newsletter für das Greenteam der Universität Stuttgart.

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